Lavassaare entdecken: Schmalspurbahn und Ortsgeschichte
Unterkünfte in Lavassaare
Wer Lavassaare als Reiseziel auswählt, kann sich an einer konkreten Ortsgeschichte orientieren: Torfindustrie und estnische Schmalspurbahn stehen neben der Erinnerung an Kriegsgefangene. Diese Themen zeigen sich an unterschiedlichen Details – an der Entstehung der Siedlung, einem versetzten Wohnhaus, der Museumssammlung und dem Friedhof.
Torfindustrie und Ortsgeschichte
Die heutige Siedlung Lavassaare entstand 1919 mit der Gründung der Lavassaareer Torfindustrie, die auch Jõõpre-Torfindustrie genannt wurde. Ein ehemaliges Wohnhaus, bekannt als „raba kontor“, wurde 1923 aus Aruküla nach Lavassaare gebracht. In Aruküla wurde es abgetragen und die Balken wurden nummeriert; anschließend wurde das Haus in der alten Siedlung von Lavassaare wieder aufgebaut. So lässt sich die Geschichte des Gebäudes als Abfolge von Demontage, Transport und Wiederaufbau nachvollziehen.
Auch die Eisenbahnstrecke Lavassaare–Pärnu (Pootsi)–Sindi gehört zur örtlichen Industriegeschichte: Sie wurde 1924 für den Torftransport fertiggestellt. Die historische Strecke diente dem Torftransport; die Museumsbahn bietet einen eigenen Zugang zur Eisenbahngeschichte.
Das Eesti Muuseumraudtee
Für den Aufbau der Sammlung wurde das in Lavassaare gelegene Torfindustriegelände als Standort ausgewählt. Das Eesti Muuseumraudtee verfügt über mehr als 80 Fahrzeuge und weitere Einheiten des rollenden Materials, darunter fünf Dampflokomotiven. Die Sammlung bietet damit einen konkreten Blick auf historische Schienenfahrzeuge und ihre unterschiedlichen Typen.
Die Innenausstellung befindet sich in einem ehemaligen Wohnhaus der Torfindustrie. Dort sind mehr als 500 historische Fotos, Gegenstände und Dokumente zur estnischen Schmalspurbahn zu sehen. Die Dampflokomotive VP-1-899 wurde zum ersten Exponat der Sammlung. Zusammen geben Fahrzeuge und Ausstellungsmaterial unterschiedliche Einblicke: Die Lokomotiven und weiteren Einheiten stehen neben der dokumentierten Geschichte der Bahn.
Der thematische Rahmen geht über öffentliche Schmalspurbahnen hinaus. Das Museum dokumentiert auch die Geschichte der Industrie- und Militärbahnen in Estland. Dadurch lässt sich die Sammlung nicht nur über einzelne Fahrzeuge, sondern auch über die verschiedenen Einsatzbereiche der Schmalspurbahn einordnen.
Museumszug und saisonale Fahrt
Die 2 km lange Museumseisenbahn ist Teil der Außenausstellung. Die Fahrt startet vor dem Museum und dauert 25 Minuten. Zwischen dem Museum (Müramaa) und Lavassaare verkehrt der Museumszug von Anfang Juni bis Ende September samstags und sonntags. Für die Reiseplanung sind damit sowohl die begrenzte Fahrtdauer als auch die saisonalen Betriebstage relevant. Da sich Fahrpläne ändern können, prüfen Sie die Angaben vor der Anreise.
Friedhof von Lavassaare
Ein anderer geschichtlicher Schwerpunkt ist der Friedhof von Lavassaare. Auf dem etwa 650 Quadratmeter großen Gelände ruhen rund 60 Kriegsgefangene aus dem Lager 286. Der Friedhof liegt in einem Torfabbaugebiet mit hohem Grundwasserstand und einer für dieses Gelände typischen Vegetation. Der Gedenkort ist damit zugleich in eine Landschaft eingebettet, die von der Torfgewinnung geprägt ist.
Vom Parkplatz aus ist der Friedhof ausschließlich zu Fuß über einen etwa 250 Meter langen Weg erreichbar. Der Weg ist teilweise befestigt und mit Holzplanken gesichert. Planen Sie den letzten Abschnitt daher als Fußweg ein. Mit der Museumszugfahrt und diesem Zugang liegen zwei unterschiedliche praktische Angaben für die Orientierung in Lavassaare vor: eine Fahrtdauer von 25 Minuten und ein Fußweg von etwa 250 Metern.
Zur übergeordneten Reiseübersicht: Lavassaare.